ornamentfenster mit stifterdarstellung lindena dorfkirche h ca 165 cm b 37 5 cm doberlug um 1250 60 inschriften in gotischer majuskel steht auf einem schriftband der name volmarvs außerhalb des perlbandes wird die inschrift im spitzbogen fortgesetzt miles de livcnwerde me com paravit stolz und selbstbewusst präsentiert sich im spitzbogen der stifter des fensters er zeigt sich nicht wie es bei den meisten stifterdarstellungen der fall ist bescheiden im unteren bereich des fensters weder kniend noch betend sondern gegensätzlich dazu an oberster stelle in stehender position und mit erhobenem haupt der junge mann dessen goldgelbes haar in gleichmäßigen locken auf die schultern fällt blickt zum mittelfenster nach osten zur aufgehenden sonne die halbfigur ist in vornehme kleidung gehüllt über einem hellgrünen untergewand das oberhalb der hüfte gegürtet ist trägt er einen gelb gefütterten mit braunem pelz verbrämten roten umhang der vor seiner brust mittels einer quadratisch ausgeformten vergoldeten schnalle zusammengehalten wird das schriftband das er in den händen hält und die umschrift außerhalb des rahmens nennen mit volmarus seinen namen mit miles de livenwerde seinen stand und bezeugen mit dem weiteren satzverlauf me comparavit dass das fenster in seinem auftrag ausgeführt worden ist die identität des stifters kann bis heute nicht zweifelsfrei geklärt werden denn in zeitgenössischen quellen findet ein ritter von liebenwerda keinerlei erwähnung gustav köhler brachte ihn 1853 mit volcmarus de coldiz in verbindung der in einer am 1 februar 1253 in liebenwerda ausgestellten urkunde mit den titeln miles und dominus als zeuge genannt wird die ritter ulrich von pack bodo ii von ileburg und otto von neideck attestierten in dem schriftstück die beilegung eines streits zwischen reinhard von kottwitz und dem kloster doberlug reinhard so der wortlaut habe vor neun anderen rittern darunter volcmarus de coldiz geschworen dass er keine ansprüche mehr an das kloster richten werde köhler versuchte den stifter des fensters mit volrad i gleichzusetzen der sich von 1215 bis 1266 als mitglied der im pleißenland begüterten herren von colditz nachweisen lässt p bastian schlug 1934 eine andere deutung vor er sah in dem stifter des fensters und dem in der urkunde von 1253 genannten ritter volcmarus de coldiz zwar ebenso eine person identifizierte ihn allerdings als einen in ileburgischen diensten stehenden vasallen der lediglich in coldiz heute köllitzsch einer ortschaft in der nähe von torgau geboren sei marina flügge vermutete in dem ritter von liebenwerda schließlich volcmarus camerarius der 1228 in einer urkunde bischof brunos von meißen für das zisterzienserkloster doberlug als zeuge erwähnt wird es ist indes nur schwer vorstellbar dass sich ein kämmerer es käme derjenige des bischofs von meißen in betracht in der dorfkirche lindena als ritter von liebenwerda verewigt nach heutigem forschungsstand dürfte der als miles titulierte stifter des fensters namens volmarus der burgmann von liebenwerda gewesen sein der im laufe des 13 jahrhunderts entweder in eigenem namen oder als dienstmann das umland von liebenwerda überwacht hat ritter finden sich zu dieser zeit und schon seit längerem nicht mehr nur als reiterkrieger auf dem schlachtfeld sondern auch am hof von königen fürsten und rangniederen adligen wie der philologe joachim bumke in seiner grundlegenden studie über den ritterbegriff herausgearbeitet hat sie dienten ihrem herrn im krieg mit der waffe und im frieden als hofritter übernahmen teilweise hofämter und erfüllten repräsentative aufgaben erst mit dem ende des 13 jahrhunderts wurde aus dem berufsstand ritter ein geburtsstand der den titel erblich weitergab zuvor musste das recht das schwert führen zu dürfen schwertleite nach bestimmten vorgaben individuell erworben werden die ritterwürde erlangte man nur durch den förmlichen akt der ritterweihe vor allem im norden und osten des deutschen reichs so der historiker josef fleckenstein gewannen seit dem 11 jahrhundert milites im rang von ministerialen die ihrem herrn als dienstmannen ohne lehen folgten große bedeutung die herrenburgen ständig bewohnte wehranlagen gestalteten sich dort zu stützpunkten der einzelnen herrschaftsgebiete sie wurden mit rittern besetzt die nicht mehr nur militärische sondern auch herrschaftliche funktion ausübten um solch eine herrenburg wird es sich in liebenwerda gehandelt haben zwar lässt sich die stadt erst 1304 sicher als lehnssitz der herren von ileburg eilenburg eulenburg nachweisen doch der häufige aufenthalt ileburgischer herren in liebenwerda im verlauf des 13 jahrhunderts scheint einen hinweis darauf zu geben dass der ort bereits seit längerem in ihrem besitz gewesen ist volmarus könnte die burg im auftrag der ileburgs verwaltet haben mit dem kloster doberlug hatten die ileburgs regen kontakt eine urkunde 1231 in liebenwerda ausgestellt belegt dass es zwischen den herren von ileburg und dem kloster doberlug zuvor wiederholt zu grenzstreitigkeiten gekommen war otto i von ileburg bekundete darin nun das ende des zwistes in der folgezeit treten die ileburgs im auftrag des markgrafen von meißen wiederholt als schutzherren des klosters auf schlichten streit und legen sogar die grenzen des klosters fest es ist zu überlegen ob die intensiven beiderseitigen beziehungen einen anlass dafür geboten haben durch den dienstmann von liebenwerda in einer kirche des klosters eine fensterstiftung vornehmen zu lassen um dadurch einvernehmlichkeit zwischen den herren von ileburg und dem kloster zu demonstrieren der ministeriale volmarus vertrat in liebenwerda das direkt an der grenze zum kloster doberlug lag die interessen der ileburgs als burgmann und miles stiftete er vielleicht in lindena ein glasfenster um der kirchengemeinde aber auch und vor allem dem kloster die präsenz den einfluss und den reichtum der ileburgs anzuzeigen ob dieser volmarus mit dem in der urkunde von 1253 genannten miles volcmarus de coldiz gleichzusetzen ist wie köhler und bastian mit unterschiedlichen identifizierungen mutmaßten scheint zwar nahe liegend kann aber ohne entsprechende quellenfunde keiner abschließenden klärung zugeführt werden volmarus de livenwerde präsentiert sich auf der scheibe nicht als mächtiger kraftvoller krieger sondern als feiner edler herr er zeigt sich als adliger die nachahmung höfischen lebensstils war zu damaliger zeit in seinen kreisen nichts besonderes die ritter nahmen sich den hohen adel zum vorbild und imitierten ihn was sich etwa nicht nur darin äußerte dass sie wie jene ein wappen führten sondern sie waren wie es fleckenstein formulierte allgemein bestrebt genauso aufzutreten wie sie markgraf heinrich iii von meißen der lehnsherr der ileburgs war für seine prunkvolle und aufwändige hofhaltung bekannt und für seine kultivierte lebensweise hochberühmt es könnte sein dass einer seiner ministerialen der in der burg liebenwerda sein amt ausübte seinem vorbild gefolgt ist und ebenso als großzügiger nobler stifter in erscheinung treten wollte es ist dabei möglich dass er durch diese oder noch weitere nicht mehr überlieferte stiftungen das recht erworben hat in der von ihm begünstigten kirche bestattet zu werden die frage ob und inwieweit dies in lindena der fall gewesen ist muss ohne neue archäologische oder archivalische funde unbeantwortet bleiben das fenster ist zu großen teilen original erhalten ausbesserungen wurden von der werkstatt oidtmann 1896 nur im bereich des ornamentteppichs vorgenommen das bleinetz aus ruten mit einer stärke von 0 5 cm wurde beobachtungen karl-joachim maerckers zufolge bei dieser maßnahme erneuert auf den scheiben ist vor allem im bereich der kleidung der stifterfigur beidseitig bemalung vorhanden oidtmann der die scheiben genauer in augenschein nehmen konnte erkannte 1896 auf der außenseite neben einem lavierenden überzug auch leichte konturen die malerei ist innen teilweise berieben korrosion ist innenseitig nicht nachzuweisen außen nur vereinzelt etwa im feld 3 am umhang des ritters oder am pelzbesatz das bleinetz wurde innenseitig geschwärzt und ist mit bloßem auge besonders im ornamentteppich von den mit dickem pinsel aufgetragenen konturstrichen kaum zu unterscheiden markus leo mock aus ute bednarz eva fitz frank martin markus leo mock götz j pfeiffer martina voigt die mittelalterlichen glasmalereien in berlin und brandenburg mit einer kunsthistorischen einleitung von peter knüvener corpus vitrearum medii aevi deutschland bd xxii berlin 2010 s 557 kat nr 427 im druck cvma deutschland potsdam fotograf holger kupfer