grundriss der st nikolaikirche in bad wilsnack st nikolai dreischiffige backsteinhallenkirche mit querhaus und einschiffigem chor bereits zwischen 1384 und spätestens 1396 wurde die einst kleine bescheidene dorfkirche in deren brandruine die drei wunderbluthostien gefunden wurden durch eine größere saalkirche mit einer turmanlage und polygonalem chor ersetzt der immense pilgerstrom machte jedoch schon bald einen noch größeren neubau erforderlich hinzu kommt dass die wilsnacker kirche 1395 in die verfügungsgewalt der havelberger bischöfe überging was die einrichtung eines wilsnacker stifts nach sich zog das eine angemessene chorlösung notwendig machte nach aktuellem forschungsstand wurde mit dem neubau des einschiffigen fünfseitig geschlossenen drei joch tiefen chors um 1450 begonnen rund 10 jahre später wird bereits das ausladende 40m breite querhaus errichtet gewesen sein wichtige hinweise für die datierung des neubaus liefern die dendrochronologische untersuchungen des im dachstuhl von chor und querhaus verwendeten holzes das 1454 verarbeitet worden sein muss als frank von borselen 1459 seine fensterstiftung in auftrag gab werden chor und querhaus bereits errichtet gewesen sein während des neubaus blieb das langhaus der vorgängerkirche zur nutzung erhalten dessen neubau in den jahrzehnten zwischen 1460 und 1500 1525 sehr viel langwieriger verlief ohne seine ursprünglich geplante volle länge zu erreichen kamen die bauarbeiten bereits nach dem dritten joch zum abschluss um den chor führte ein heute nicht mehr vorhandener umgang mit kapellenkranz der an die beiden querhäuser anschloss und hier zugänge zur sakristei und zur wunderblutkapelle besaß die einzelnen kapellen waren untereinander durch spitzbogige durchgänge in den strebepfeilern und mit dem chor durch nur einen noch nachweisbaren zugang verbunden im außenbereich des chors sind die gewölbeansätze der kapellen und die zugesetzten rundbogennischen im sockelbereich der chormauer noch gut sichtbar die reich profilierten im sanktuarium dreibahnigen im presbyterium vierbahnigen chorfenster erheben sich über dem nischenbereich die gewölbedienste sind über der sockelzone durch aussparungen unterbrochen sie waren für einen ursprünglich unterhalb der fenstersohlbank von querhaus zu querhaus im inneren des chors umlaufenden hölzernen gang notwendig eventuell waren auch aus diesem grund die fenster im unteren bereich aufgemauert die wunderblutkapelle zur verwahrung und zurschaustellung der verehrten wunderbluthostien dem eigentlichen ziel der aus ganz europa kommenden pilger befand sich im südlichen querhaus von der wie wir aus dokumenten wissen einst sehr reichen ausstattung der kirche haben sich nur noch wenige objekte erhalten umso bedeutender sind die erhaltenen glasmalereien die zusammen mit den glasmalereien in der marienkirche in frankfurt oder zu den umfangreichsten glasmalereibeständen im land brandenburg zählen in bad wilsnack sind die szenischen glasmalereien auf vier fenster d h auf das chorscheitelfenster fenster i auf die beiden flankierenden fenster fenster nord ii bzw fenster süd ii und auf das nordquerhausfenster fenster nord viii verteilt in fenster nord iii und fenster süd iii befinden sich reste von hausmarken drei unterschiedliche glasmalereiwerkstätten sind in den erhaltenen glasmalereien auszumachen die so genannte altmark-werkstatt von der sich auch glasmalereien in der stendaler jakobikirche in der werbener johanniskirche und im brandenburger dom erhalten haben der so genannten wilsnack-werkstatt die einen eher lokalen stil charakterisiert sowie die felder des niederländischen glasmalers zweer van opbueren wesselsz die im zusammenhang mit einer stiftung die hier verwendeten aufnahmen sind zu unterschiedlichen anlässen entstanden fast immer im ausgebauten zustand literatur zur bau und ausstattungsgeschichte ute bednarz eva fitz frank martin markus mock götz j pfeiffer martina voigt die mittelalterlichen glasmalereien in berlin und brandenburg mit einer kunsthistorischen einleitung von peter knüvener cvma deutschland xxii berlin akademie-verlag 2010 markus mock die fürstlichen wappenstiftungen in der wilsnacker nikolaikirche in der herold 51 2008 s 365-386 alexander krauß detlev von olk zur baugeschichte der wilsnacker wallfahrtskirche in kirchen des mittelalters in brandenburg und berlin denkmalpflege in berlin und brandenburg 3 petersberg 2007 alexander krauß detlev von olk zur baugeschichte der wilsnacker wallfahrtskirche in die wilsnackfahrt ein wallfahrts und kommunikationszentrum nord und mitteleuropas im spätmittelalter hg v felix escher hartmut kühne frankfurt am main u a 2006 s 179-188 karl-uwe heußner tilo schöfbeck dirk schumann die spätgotische wallfahrtsarchitektur in der prignitz überraschende ergebnisse aus mittelalterlichen dachwerken in brandenburgische denkmalpflege 14 2005 s 66-72 alexander krauß detlev von olk bad wilsnack neue erkenntnisse zur baugeschichte der ehemaligen wallfahrtskirche heilig-blut heute 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