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Immanuel Kant – der Autor, der „mit der Feder in der Hand“ denkt

Ab Mitte der 1790er Jahre arbeitet Kant an einem Werk, welches er selbst als sein „Hauptwerk“, sein „chef d’œuvre“, bezeichnet hat. Es sollte den „Schlußstein“ seiner Kritischen Philosophie bilden. Das Ausgangsproblem ist zunächst der Übergang von der rationalen Metaphysik der Natur zu den empirischen Wissenschaften, vornehmlich der Physik, Chemie und Biologie. Im Prozess der philosophischen Überlegungen werden immer weitere Teile der Kritischen Philosophie einbezogen: neben naturphilosophischen und erkenntnistheoretischen Themen auch moralphilosophische und theologische Probleme. Daraus entwickelt sich gegen Ende von Kants Bemühungen die Konzeption eines grundlegenden Werkes zur Transzendentalphilosophie. Die Aufgabe, vor der Kant steht und die er zu lösen versucht, ist nämlich nichts Geringeres, als einen Übergang zwischen den durch die Vernunftkritik getrennten Bereichen der Kritischen Philosophie zu finden.

Kant hat bis zum Ende seiner Arbeitsfähigkeit daran gearbeitet, er konnte sein Vorhaben aber nicht mehr zu Ende führen. Das Projekt blieb unabgeschlossen.

In dem nachgelassenen Manuskript, das insgesamt 290 lose Bögen und Blätter – zumeist Folio, aber auch kleineren Formats – mit 525 eigenhändig von Kant beschriebenen Seiten enthält, liegt kein fertiges Werk, aber auch kein Fragment vor. Was wir vorfinden, das sind mehrfach synchron und diachron bearbeitete Entwürfe – neben dem sog. Oktaventwurf 13 Entwürfe auf Foliobögen. Das von Kant intendierte Werk ist vielmehr als ein „Arbeitsmanuskript“ mit experimentellem Charakter zu bezeichnen. Es enthält neben reinschriftlichen Texten immer wieder Neuansätze, aber auch Wiederholungen, eine Vielzahl von Streichungen und Änderungen, eingeschobene Überlegungen zu anderen Themen, Ideensplitter bis hin zu Tagesnotizen des alternden Philosophen. In den beiden letzten Entwürfen aus der Zeit April 1800 bis Februar 1803 ist selbst der kleinste Platz beschrieben, letzte Zusätze finden sich oftmals zwischen den Zeilen bereits geschriebenen Textes, und die Zuordnung von einzelnen Teilen eines Zusatzes, ja sogar von einzelnen Zeilen oder Worten ist äußerst kompliziert. Das Ganze drückt bis in die sprachliche Haltung hinein die Bewegung des Kantischen Denkens aus. Denn der Philosoph Kant ist ein Autor, der „das Einzelne mit der Feder in der Hand durchdenkt“ (Erich Adickes).

Diplomatische Transkription.

Vergrößerung des Faksimiles.

Faksimileausschnitt mit allen farbigen Markierungen.

Transkription als auch Faksimile der einzelnen Manuskriptseite können in einzelnen Ansichten angezeigt werden. Es werden immer die Metadaten der entsprechenden Seite angezeigt. Über eine Suchfunktion ist es möglich, eine bestimmte Stelle in der Akademie-Ausgabe aufzurufen. In der Transkription sind Marginalien, die mit dem Grundtext durch Verweiszeichen verbunden sind, durch Links simultan aufzurufen, seitenübergreifende Verweise bewirken durch Verlinkung ein „Blättern“ im Manuskript auf die entsprechende Manuskriptseite. In ihrer Gegenüberstellung sind Transkriptionstext und Faksimile wechselseitig miteinander verlinkt, sowohl seiten- als auch abschnittsweise. Die Entsprechung von Textabschnitt der Transkription und Faksimileabschnitt wird durch deren farbige Unterlegung bzw. Markierung angezeigt. Jeder Textabschnitt auf dem Faksimile kann, sowohl von der Transkription als auch vom Faksimile ausgehend, in einer vergrößerten Ansicht aufgerufen werden, sodass die Kantische Schrift im Vergleich mit der Transkription lesbar wird.

Sind zwei bestimmte Abschnitte auf dem Faksimile von Interesse, können diese ausgewählt werden, um sich die Transkription beider Abschnitte gegenübergestellt anzeigen zu lassen. Die Online-Edition verbindet somit die lineare Textabfolge und damit die lineare Ansicht des Textes mit der Gleichzeitigkeit der Ansicht der Faksimileseite. Diese Funktionalität ermöglicht eine durchgängige Orientierung über den Ort und Zusammenhang der Textabschnitte auf der Manuskriptseite, und zwar ohne jede vorgegebene Einschränkung. Dadurch ist das Manuskript in der Komplexität der Niederschrift und Überarbeitung nicht nur Spezialisten zugänglich, sondern kann nun erstmals von allen Forschern textkritisch erschlossen werden.

Die Online-Edition enthält gegenwärtig die Convolute II bis IV. Vorgesehen ist, alle weiteren Convolute sukzessive zur Verfügung zu stellen.